Ratgeber
Trockenlagerung in Marinas: Grundlagen und Geschäftsmodell
Trockenlagerung bedeutet: Boote werden aus dem Wasser genommen und auf befestigter Fläche auf Stützsystemen gelagert – saisonal im Winter oder dauerhaft bei entsprechenden Konzepten (Trockenbox-Marinas, Dry-Stack-Betrieb).
Für Marinas bietet Trockenlagerung mehrere Vorteile: - Nutzung von Landfläche, die für Liegeplätze nicht geeignet ist - Zusätzlicher Ertrag durch Winterlagergebühren - Möglichkeit, Serviceleistungen (Motorwartung, Unterwasseranstrich, Reinigung) direkt am gelagerten Boot anzubieten - Kundenbindung durch Komplettservice über die Saison
Die Anforderungen an die Infrastruktur steigen mit dem Gewicht und der Größe der gelagerten Boote sowie mit der Anzahl der Einheiten. Schon ab 20–30 Booten lohnt sich eine systematische Planung der Ausrüstung und Betriebsabläufe.
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Infrastruktur aufbauen: Stellflächen, Befestigung und Zugänglichkeit
Die physische Infrastruktur ist die Grundlage für sicheren und effizienten Trockenlagerungs-Betrieb.
**Stellflächen und Untergrund:** Boote auf Stützen brauchen tragfähigen Untergrund. Weicher oder unebener Boden kann dazu führen, dass Stützen einsinken und das Boot sich neigt. Empfohlen: befestigte Fläche (Beton, Asphalt oder verdichteter Schotter) mit ausreichender Tragfähigkeit. Bei schweren Booten über 10 t müssen die Flächenlasten unter den Stützfüßen kalkuliert werden.
**Stellplatzbreite und Abstände:** Jedes Boot braucht ausreichend Platz für: - Aufstellung und Abnahme mit Kran oder Travellift - Montage und Demontage der Stützen - Wartungsarbeiten am Rumpf (mindestens 0,8–1,0 m seitlicher Freiraum) - Zugang für Kunden, die das Boot im Winter besuchen
Faustregel: Stellplatzbreite = Bootsbreite + 1,5–2,0 m; Länge = Bootslänge + 1,5 m.
**Erschließung:** - Zufahrtswege für Kran, Travellift oder Schwertransport müssen ausreichend breit und tragfähig sein - Beleuchtung für Arbeiten bei schlechten Lichtverhältnissen - Wasseranschluss für Spülarbeiten - Stromanschluss für Heizgeräte, Lüftung oder Batterieladegeräte
**Halle oder Freilager:** Hallenlagern bietet maximalen Schutz, erfordert aber erhebliche Investitionen. Freilager mit strukturierter Abdeckung (Persenning oder Winterzelt pro Boot) ist kostengünstiger. Viele Marinas kombinieren beides: Halle für hochwertige Boote, Freilager für einfachere.
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Stützsysteme für den Marina-Betrieb: Auswahl und Dimensionierung
Das Stützsystem ist das Herzstück der Trockenlagerung. Es muss die Bootsvielfalt der Marina abdecken – verschiedene Rumpfformen, Gewichte und Längen.
**Standardstützen für Motor- und Segelboote:** Verstellbare Seitenstützen mit Gummipads decken den größten Teil der Bootspopulation ab. Für eine Marina mit Booten bis ca. 10 t Gesamtgewicht sind Stützen mit SWL von 3–5 t pro Stütze in der Regel ausreichend – je nach Stützenanzahl pro Boot und Gewichtsverteilung.
**Kielstützen für Segelboote:** Marina-Betrieb mit nennenswerten Segelbootanteilen erfordert Kielstützen. Diese stützen den Kiel des Segelboots von unten und nehmen den Großteil des Ballastgewichts auf. Ohne Kielstütze besteht für Kielsegler das Risiko von Rumpfverformungen.
**Stützen-Bestand und Reserve:** - Richtwert: 4–6 Seitenstützen pro Boot, 1 Kielstütze pro Segelboot - Bestandsreserve: 10–15 % der Gesamtstückzahl für Stützen in Wartung oder bei Beschädigung - Sortimentstiefe: Verschiedene SWL-Stufen für leichte und schwere Boote
**CE-Zertifizierung im Marinabetrieb:** Für gewerbliche Marina-Trockenlagerung sind CE-zertifizierte Stützen mit nachvollziehbaren SWL-Werten Standard. Im Schadensfall ist die Dokumentation der eingesetzten Ausrüstung ein wesentliches Element der Haftungsklärung.
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Betriebsorganisation: vom Kranen bis zur Auslieferung
Der Trockenlagerbetrieb ist ein saisonaler Betrieb mit klaren Spitzen: Krantermine im Herbst (Einlagerung) und Frühjahr (Auslieferung). Die Organisation dieser Abläufe bestimmt maßgeblich die Kundenzufriedenheit und die Effizienz des Betriebs.
**Krantermine und Koordination:** - Herbstkranen: Einlagern von bis zu 50 oder mehr Booten in wenigen Wochen - Vorlaufplanung: Stellplätze vorbereiten, Stützen bereitstellen, Kundenakten aktualisieren - Checkliste pro Boot: Gewicht, Rumpfform, spezielle Anforderungen (Kielstütze, besondere Abstützpunkte)
**Stellplatzverwaltung:** - Klare Beschriftung jedes Stellplatzes (Bootsname, Stellplatznummer, Einlagerungsdatum) - Digitale oder analoge Bestandsliste mit Bootsdaten, Stützenanzahl und -typ - Zugangspfade freihalten für Kundenzugang und Notfallabfahrt
**Winterbetrieb:** - Regelmäßige Begehung der Stellfläche nach Sturm oder starkem Schneefall - Stützen nach Unwetter prüfen: Sitzen alle Stützen noch fest? - Schadensmeldung an Kunden bei auffälligen Veränderungen
**Frühjahrsausgabe:** - Reinigung und Sichtprüfung der Stützen vor dem Einlagern in der nächsten Saison - Schadhafte Stützen aussondern und ersetzen - Stützenbestand nach Saison inventarisieren
Ausrüstung
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AUSRÜSTUNG ANSEHEN →FAQ
FAQ
In der Regel verstellbare Seitenstützen für Motor- und Segelboote sowie Kielstützen für Kielsegler. Die SWL-Werte müssen auf die schwersten eingelagerten Boote abgestimmt sein. Als Richtwert: 4–6 Seitenstützen pro Boot plus 1 Kielstütze pro Kielsegler. CE-Zertifizierung der Stützen ist für gewerbliche Marinas empfohlen.
Richtwert: Bootsbreite + 1,5–2,0 m Seitenabstand, Bootslänge + 1,5 m. Für Wartungsarbeiten am Rumpf wird seitlicher Freiraum von mindestens 0,8–1,0 m benötigt. Der Untergrund sollte befestigt und tragfähig sein – weicher Boden kann bei schweren Booten unter Stützfüßen einsinken.
Beides ist möglich. Klassische Marina-Trockenlagerung ist saisonal (Oktober bis April). Dry-Stack-Konzepte lagern Boote ganzjährig trocken und bieten Kran-on-Demand-Service. Letztere erfordern höhere Infrastrukturinvestitionen, bieten aber das Potenzial für ganzjährige Erlöse.
Rechtlich nicht in allen EU-Ländern explizit vorgeschrieben, aber gewerbliche Marinas tragen die Verantwortung für die Sicherheit der eingelagerten Boote. CE-zertifizierte Stützen mit SWL-Dokumentation ermöglichen den Nachweis ordnungsgemäßer Ausrüstung – relevant bei Schadensfällen und für Versicherungen.
Mindestens einmal jährlich – idealerweise vor der Einlagerungssaison. Zusätzlich nach Sturm oder starkem Schneefall eine Begehung der Stellfläche. Schadhafte Stützen sofort aus dem Betrieb nehmen. Detaillierte Prüfpunkte finden sich in der KIPAC Sicherheits- und Prüfcheckliste für Betreiber.
Ja. KIPAC berät Marinas und Werften bei der Stützenauswahl und Systemdimensionierung – auf Basis der betrieblichen Anforderungen: Bootspopulation, Gewichtsklassen, Rumpfformen und Fläche. Individuelle Ausstattungsangebote auf Anfrage.
